Gestaltprinzip

Gestaltprinzipien (Gestaltgesetze) sind ein Konzept aus der Gestaltpsychologie, die in der ersten Häfte des 20. Jahrhunderts von Wertheimer (1923) wurde. Gestaltprinzipien können als Motive angesehen werden, die bei der Deutung von Wahrnehmungen leitend sind. Die Motive ergeben sich aus der menschlichen Konstitution und sind individuell unterschiedlich ausgeprägt.

Beispiele sind in freier Anlehnung an Wertheimer (1923) die folgenden:

1. Gestaltprinzip der räumlichen Nähe: Die Kreise liegen dicht nebeneinander. Die Kreispaare scheinen jeweils zusammenzugehören.

2. Gestaltprinzip der Ähnlichkeit: Objekte mit gleicher Gestaltung scheinen zusammenzugehören.

3. Gestaltprinzip der Guten Gestalt: Objekte werden als Repräsentaten idealtypischer Muster wahrgenommen. Im Beispiel sieht man einen Kreis. Allerdings handelt es sich um eine Ellipse.

4. Gestaltprinzip des Gemeinsamen Bereichs: Objekte, die von einem Rahmen umgeben sind, scheinen zusammenzugehören.

5. Gestaltprinzip des Guten Fortsetzung: Stetige Kurven, die sich überkreuzen, werden als getrennt voneinenander wahrgenommen.

6. Gestaltprinzip der Geschlossenheit: Geschlossene Formen werden als Einheiten wahrgenommen. Im Beispiel scheint ein großes Rechteck im Vordergrund und ein kleines im Hintergrund dargestellt zu sein. Eigentlich könnte es sich auch um 3 Rechtecke handeln.

7. Gestaltprinzip der Verbundenheit: Objekte, die miteinander verbunden sind, erscheinen als zusammengehörig.

Quelle: Zeichnungen in freier Anlehnung an WERTHEIMER

Die Grundidee der Gestaltpsychologie ist nicht auf statische Wahrnehmungen beschränkt. Beispielsweise wird die Bildabfolge eines Daumenkinos als kontinuierliche Veränderung wahrgenommen.

Literatur

Wertheimer, Max (1923): „Untersuchungen zur Lehre von der Gestalt“. In: Psychologische Forschung. Zeitschrift für Psychologie und ihre Grenzwissenschaften. Bd. 4. Koffka, K. [u.a.]. Berlin: Springer. S. 301-350

Zeichnungen übernommen aus: Rikowski, S. (2015): Die Entwicklung computerbasierter Lehrmodelle zur Vermittlung technischer Bildungsinhalte. Göttingen: Cuvillier.