Die Simulation zeigt ein ideales Gas (1 mol, zweiatomig) in einem Zylinder mit beweglichem Kolben. Über eine Prozessauswahl lassen sich die vier idealisierten Zustandsänderungen – isotherm, isobar, isochor und adiabatisch – sowie eine freie Relaxation zum Umgebungsgleichgewicht untersuchen. Der Zustand wird gleichzeitig im p-V-Diagramm, als Zeitverlauf und im T-S-Diagramm dargestellt.
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Beschreibung der Animation
Das Gas wird durch einen gewichtsbelasteten Kolben eingeschlossen. Je nach gewähltem Prozess wird der Zustand entweder mechanisch (durch Ziehen des Kolbens) oder thermisch (durch Zuführen bzw. Entziehen von Wärme in drei Stufen) verändert. Die Farbe des Gases zeigt qualitativ die Temperatur an: von kühlem Blau bis zu warmem Orange.
Grundlage aller Rechnungen ist die thermische Zustandsgleichung des idealen Gases:
\[ p \cdot V = n \cdot R \cdot T \]
- p: Druck in Pascal (Pa)
- V: Volumen in Kubikmetern (m³)
- n: Stoffmenge in Mol (mol); in der Simulation gilt n = 1 mol
- R: universelle Gaskonstante, R = 8,314 J/(mol·K)
- T: absolute Temperatur in Kelvin (K)
Die vier Zustandsänderungen
Bei jeder Zustandsänderung wird eine Größe konstant gehalten. Daraus ergeben sich aus der Zustandsgleichung die bekannten Gesetzmäßigkeiten:
Isotherm (T = const, Gesetz von Boyle-Mariotte). Das Gas steht mit einem Wärmebad in Kontakt. Beim langsamen Ziehen des Kolbens bleibt die Temperatur erhalten, im p-V-Diagramm entsteht eine Hyperbel:
\[ p \cdot V = \text{const} \quad \Rightarrow \quad p_1 V_1 = p_2 V_2 \]
Isobar (p = const, Gesetz von Gay-Lussac). Der Druck wird durch die konstante Kolbenlast vorgegeben. Zugeführte Wärme erhöht Temperatur und Volumen proportional:
\[ \frac{V}{T} = \text{const} \quad \Rightarrow \quad \frac{V_1}{T_1} = \frac{V_2}{T_2} \]
Isochor (V = const, Gesetz von Amontons). Der Kolben ist festgesetzt. Zugeführte Wärme erhöht ausschließlich Druck und Temperatur; es wird keine Volumenarbeit verrichtet:
\[ \frac{p}{T} = \text{const} \quad \Rightarrow \quad \frac{p_1}{T_1} = \frac{p_2}{T_2} \]
Adiabatisch (Q = 0). Das Gas ist thermisch isoliert; es findet kein Wärmeaustausch statt. Die Temperatur ändert sich allein durch die Volumenarbeit (Verdichtung erwärmt, Ausdehnung kühlt). Es gelten die Poisson-Gleichungen mit dem Adiabatenexponenten \( \gamma \):
\[ p \cdot V^{\gamma} = \text{const} \qquad T \cdot V^{\gamma – 1} = \text{const} \]
Für ein zweiatomiges Gas (f = 5 Freiheitsgrade) beträgt der Adiabatenexponent \( \gamma = \frac{C_p}{C_V} = \frac{7}{5} = 1{,}4 \). Da die Adiabate steiler verläuft als die Isotherme, liegt sie im p-V-Diagramm bei gleicher Ausgangslage stets unterhalb bzw. oberhalb von ihr.
Erster Hauptsatz und Molwärmen
Alle Prozesse folgen dem ersten Hauptsatz der Thermodynamik – der Energieerhaltung für thermodynamische Systeme. Die Änderung der inneren Energie ergibt sich aus zugeführter Wärme abzüglich der vom Gas nach außen verrichteten Volumenarbeit:
\[ \mathrm{d}U = \delta Q – p \, \mathrm{d}V \]
Für ein ideales Gas hängt die innere Energie nur von der Temperatur ab: \( \Delta U = C_V \cdot \Delta T \). Die Wärmekapazitäten unterscheiden sich je nachdem, ob bei konstantem Volumen oder konstantem Druck geheizt wird:
- Isochor: \( Q = C_V \cdot \Delta T \) mit \( C_V = \frac{5}{2} n R \approx 20{,}8 \) J/K – die gesamte Wärme erhöht die innere Energie.
- Isobar: \( Q = C_p \cdot \Delta T \) mit \( C_p = \frac{7}{2} n R \approx 29{,}1 \) J/K – ein Teil der Wärme wird als Volumenarbeit abgegeben, daher ist mehr Wärme für dieselbe Temperaturerhöhung nötig.
- Isotherm: \( \Delta U = 0 \), die zugeführte Wärme wird vollständig in Arbeit umgesetzt.
- Adiabatisch: \( Q = 0 \), somit \( \Delta U = -p\,\Delta V \) – die Arbeit geht vollständig zu Lasten der inneren Energie.
Die drei Darstellungen
- p-V-Diagramm: zeigt den Zustandspfad in der Druck-Volumen-Ebene. Die Fläche unter einer Kurve entspricht der verrichteten Volumenarbeit. Optional werden Referenzkurven (Isothermen und die Isobare der Umgebungslast) eingeblendet.
- Zeitverläufe: stellen Druck, Temperatur und Volumen getrennt über die Zeit dar und machen dynamische Vorgänge wie das Einschwingen im freien Modus sichtbar.
- T-S-Diagramm: trägt die Temperatur über der Entropie auf. Hier entspricht die Fläche unter einer reversiblen Kurve der ausgetauschten Wärme. Für das ideale Gas gilt (bezogen auf das Umgebungsgleichgewicht als Nullpunkt):
\[ \Delta S = C_V \ln\!\left(\frac{T_2}{T_1}\right) + n R \ln\!\left(\frac{V_2}{V_1}\right) \]
Im T-S-Diagramm erscheinen die Prozesse besonders anschaulich: Die Isochore und die Isobare verlaufen als Kurven unterschiedlicher Steigung, die Isotherme als waagerechte und die reversible Adiabate (Isentrope) als senkrechte Linie.
Interaktive Steuerung
- Prozess wählen: Isotherm, Adiabatisch, Isobar, Isochor oder Frei. Je nach Auswahl sind entweder der Kolben oder die Heiz-/Kühlknöpfe aktiv.
- Kolben ziehen (isotherm, adiabatisch, frei): verändert das Volumen direkt.
- Heizen / Kühlen (isobar, isochor, frei): führt in drei Stufen Wärme zu oder ab.
- Ansicht umschalten: p-V-Diagramm, Zeitverläufe oder T-S-Diagramm.
- Referenzkurven: blendet Vergleichskurven im p-V- und T-S-Diagramm ein oder aus.
- Pause / Reset: hält die Simulation an bzw. setzt sie auf das Umgebungsgleichgewicht (T = 300 K, p ≈ 100 kPa) zurück.
Physikalischer Hintergrund
Die idealisierten Zustandsänderungen sind die Bausteine, aus denen sich thermodynamische Kreisprozesse zusammensetzen. Sie sind eine Modellvorstellung: reale Prozesse verlaufen nie exakt isotherm oder adiabatisch, sondern liegen zwischen diesen Grenzfällen. Der quasistatische, reversible Grenzfall ist ideal, weil er unendlich langsam abläuft und keine Entropie erzeugt. Der Modus „Frei (Relaxation)“ zeigt demgegenüber ein Analogiemodell für einen irreversiblen Ausgleichsvorgang, bei dem der Kolben unter der Umgebungslast in ein neues Gleichgewicht einschwingt.
Hinweis: Die Simulation rechnet mit 1 mol eines idealen, zweiatomigen Gases in SI-Einheiten. Die Mechanik des freien Modus (Trägheit, Dämpfung) ist ein didaktisches Ersatzmodell und nicht maßstäblich; sie dient nur der anschaulichen Darstellung des Einschwingverhaltens.
Praktische Anwendungen
- Verbrennungsmotoren: Otto- und Dieselprozess kombinieren isochore, isobare und adiabatische Teilschritte
- Stirlingmotor: arbeitet mit isothermen und isochoren Zustandsänderungen
- Kältemaschinen und Wärmepumpen: nutzen die adiabatische Kompression und Expansion eines Arbeitsmediums
- Kompressoren und Pneumatik: schnelle Verdichtung verläuft näherungsweise adiabatisch und erwärmt das Gas spürbar
Verwandte Animationen
HD-Animationen
Web-Animationen
Überblick
| Titel | Ideales Gas – Zustandsänderungen am Kolben |
| Zielgruppe | Lehrer/innen und Vortragende |
| Features | Vollbildmodus verlustfreie Vergrößerung Großbildschirme und Leinwände unterstützt |
| Lizenz | MIT |

